Aktuelles & Berichte

Wolfgang Pentz mit seinem Kollegen am Arbeitsplatz in Liberia
Vier Wochen tauschte Wolfgang Pentz seinen Arbeitsplatz in Augsburg ein. Zusammen mit einem internationalen Kollegenteam arbeitete er in der Wasseraufbereitung und stellte Desinfektionsmittel für Körper und Oberflächen her.

Katastrophen – statt Arbeitsschutz

Wolfgang Pentz arbeitet seit 37 Jahren bei MAN Diesel & Turbo in Augsburg. Im Frühjahr 2015 tauschte er seinen Sicherheits- gegen einen Tropenhelm und half beim Kampf gegen Ebola in Liberia.

Was treibt einen Menschen, sich in eines der gefährlichsten Seuchengebiete der Welt aufzumachen? Seit 2010 ist das MAN-Urgestein Wolfgang Pentz ausgebildeter Katastrophenschützer und spezialisiert auf die Trinkwasseraufbereitung. Schon lange hat er sich beim Roten Kreuz engagiert und schließlich das Ausbildungsangebot wahrgenommen.

Als die Bundesregierung aufgrund der Ebola-Epidemie 2014 erste Aufrufe an freiwillige Helfer startet, hält Pentz Rücksprache mit Familie und Freunden und meldet sich: „Natürlich ist ein Ebola-Einsatz gefährlicher als nach einem Erdbeben, aber es gibt für mich keine gute oder schlechte Katastrophe, deshalb habe ich mich gemeldet“, erklärt Pentz. Bis etwas passiert, dauert es aber noch: „Die Eröffnung unserer Krankenstation verzögerte sich bis 23. Dezember, lange gab es keine Klarheit über den Einsatz.“

Anfang 2015 überschlagen sich dann die Ereignisse: „Am 9. Januar bekam ich den Anruf aus Berlin. Ich sollte direkt von einer Schulung in Würzburg nach Liberia weiterreisen.“ Pentz muss sich aber erst noch das endgültige Einverständnis seiner Vorgesetzten einholen: „Mir wurde vorab signalisiert, dass MAN mich im Falle des Falles bezahlt freistellen würde, allerdings gab es nur knapp zwei Wochen Vorlauf und mein Chef war im Urlaub.“ Einige Telefonate und viel Papierarbeit später war alles geregelt, der Einsatz genehmigt. Die Abreise Richtung Monrovia, der Hauptstadt Liberias, stand für 23. Januar fest.

Fünf Wochen war Pentz in einer SITTU (Severe Infection Temporary Treatment Unit) für die Trinkwasseraufbereitung, die Herstellung von Desinfektionsmitteln und die Pflege des Wasserleitungssystems verantwortlich. Etwa 30 Helfer vom Roten Kreuz, 20 von der Bundeswehr und über 120 Einheimische zählten zu seinen Kollegen. Beim Einsatz ging es mehr um die Unterstützung der Gesundheitsversorgung, Ebola-Patienten wurden in der SITTU nicht behandelt: „Es sterben mehr Menschen wegen Ebola, als durch Ebola¬“. Die einheimischen Ärzte haben Angst, Patienten zu behandeln, die verwandte Symptome wie Fieber oder Durchfall zeigen, wie sie auch Grippe oder Malaria hervorrufen können.“ Angst vor einer Ansteckung hatte Pentz weniger: „Ich hatte, aber natürlich großen Respekt vor der Krankheit. Insgesamt waren wir aber schon sehr abgeschottet in unserem Areal.“

Persönlich nimmt er vor allem mit, das Leben in Deutschland mehr zu schätzen: „Wir beschweren uns über so viele kleine Probleme. Das ist schon ein Jammern auf hohem Niveau. In Liberia habe ich ganz andere Sorgen wahrgenommen.“ Dennoch gibt Pentz, der mit einigen Helfern noch weiter in Kontakt steht, einen halbwegs optimistischen Ausblick: „Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Situation mit der Hilfe und Erfahrung von Ärzte ohne Grenzen, dem Roten Kreuz und anderen in den Griff zu bekommen ist, auch wenn natürlich weitere Hilfe nötig ist.“

Wolfgang Pentz und seine Kollegen

Immer wenn sich Pentz und seine Kollegen in die Gefahrenzone begaben, galt die Pflicht zum Ganzkörperschutzanzug.

Verschiedenen Krankenstationen der internationalen Helfergemeinschaft sind im Rechteck um das Sportstadion angeordnet.

Im Rechteck um das Sportstadion angeordnet sind die verschiedenen Krankenstationen der internationalen Helfergemeinschaft. Im Vordergrund (weiße Zeltdächer, Mitte) befindet sich die SITTU in der Wolfgang Pentz bei der Bekämpfung der Krise half.