100 Jahre Lkw und Busse von MAN: Wie alles begann

Straßen ohne den silbernen Löwen auf dem Kühlergrill? Heute kaum vorstellbar. Doch 1914 kamen Lkw und Busse im Angebot von MAN noch nicht vor. Ein Umstand, den Generaldirektor Anton von Rieppel ändern wollte. „Die M.A.N. muss auf Räder gestellt werden“, lautete seine Strategie. Gesagt, getan. Im Sommer 2015 feiert MAN Truck & Bus 100 Jahre Nutzfahrzeugbau.

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Montagehalle des LWW-Werks in Lindau

Den Namen MAN Truck & Bus AG gab es zur Gründung allerdings noch nicht. „Lastwagen Werke M.A.N.-Saurer GmbH“ – kurz LWW – lautete der Eintrag ins Handelsregister der Stadt Nürnberg vom 21. Juni 1915. Die Firma Saurer war damals der führende Lkw-Hersteller in der Schweiz – und der neue Partner der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (M.A.N.). Als M.A.N.-Generaldirektor von Rieppel 1914 die Gründung einer eigenen Lkw- und Bus-Produktion plante, war gerade der Erste Weltkrieg ausgebrochen. Für die Entwicklung eigener Fahrzeuge war deshalb keine Zeit. Mit der Firma Saurer fand M.A.N. einen Partner mit dem notwendigen Know-how.

Enge Zusammenarbeit mit Schweizer Partner

4t Lkw mit Kettenantrieb

Einer der allerersten 4t Ketten-Lkw vor der Montagehalle in Lindau 1915

Anton von Rieppel selbst wandte sich im Dezember 1914 in einem Brief an Adolph Saurer. Damit begannen die Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen. Ursprünglich hatte von Rieppel geplant, von den Schweizern eine Lizenz für den Bau von Kraftwagen zu erwerben. Doch Adolph Saurer wollte eine Kooperation, die ihm Mitbestimmung garantieren sollte. Nach einigen Monaten der Verhandlung waren sich die Unternehmer einig – und legten mit diesem Joint-Venture den Grundstein für die Produktion von Lkw und Bussen bei MAN.
Von nun an ging es schnell: Bereits ab Juli 1915 produzierte die LWW die ersten Lastwagen in einem Werk in Lindau. Dieses Werk übernahm das Joint-Venture von der Firma Saurer. Nur vier Monate später wurde die Produktion Schritt für Schritt nach Nürnberg verlagert. Nicht nur das komplette Werk mit all seinen Maschinen zog um, die Lastwagen Werke übernahmen auch alle 40 Mitarbeiter aus Lindau.

Vom Bierlaster bis zum Feuerwehrwagen: historische Nutzfahrzeuge von MAN

Erste Prospekte der LWW

Gemeinsame Arbeit

Im Juli 1915 begann die Zusammenarbeit von M.A.N. und Saurer – die sie auch gemeinsam bewarben.

Bierlaster der LWW

Die ersten Modelle

Die ersten gemeinsamen M.A.N.-Saurer-Fahrzeuge waren 2-3 Tonnen Kardanwagen und 4-5 Tonnen Lkw mit Kettenantrieb.

Mühlen-Lkw der LWW

Im Fokus: zivile Fahrzeuge

In ihren Anfängen konzentrierte sich die LWW ganz auf die Produktion von zivilen Fahrzeugen

Holzlaster der LWW

Branchenkompetenz von Anfang an

Die LWW-Laster waren vor allem für die Feuerwehr, für Mühlen, Brauereien, Kommunalverwaltungen und für den Holztransport im Einsatz. Ab 1916 kamen auch Militärlaster hinzu.

Omnibusse für den Pakettransport

Überlandbus der Reichspost

Die M.A.N.-Saurer Omnibusse beförderten Passagiere, Pakete und Briefe durch ganz Deutschland

Neben Lastwagen produzierte die LWW auch Omnibusse, vor allem für die Reichspost und städtische Verkehrsbetriebe. Besonders häufig sah man damals die von der LWW gebauten Überlandbusse auf den Landstraßen. Mit ihnen beförderte die Reichspost nicht nur Passagiere, sondern auch Briefe und Pakete. Ähnlich wie die Lkw waren auch die ersten Busse 2 bis 3,5 Tonnen Kardanwagen, alle ausgestattet mit einem Vierzylinder Otto-Motor, Motorbremse, Karbidbeleuchtung, Petrollampen, Ballhupen, Holzräder und Vollgummibereifung.

Bis 1918 arbeiteten M.A.N. und Saurer eng zusammen, dann stieg Saurer aus dem Joint-Venture aus. Vom 14. November 1918 an ließ sich das schon am Namen ablesen: „M.A.N. Lastwagen Werke“ hieß das Unternehmen jetzt offiziell. Die Nürnberger gingen von nun an eigene Wege bei der Entwicklung und Produktion von Nutzfahrzeugen. Erfolgreich. Bis heute: Mit dem TGX D38, dem aktuellen Flaggschiff der Lkw-Flotte, setzt MAN Maßstäbe in Sachen Effizienz und Leistung. Auch die Zukunft haben die Entwicklungsingenieure fest im Blick. Mit Hochdruck arbeiten sie daran, die Fahrzeuge noch kundenfreundlicher und kraftstoffsparender zu machen. Die Kunden wissen das zu schätzen: Zahlreiche Fuhrparkunternehmer, Brauereien und Kommunen vertrauen seit Jahrzehnten auf Nutzfahrzeuge von MAN.